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Kolumnen
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Philomatik von Doris


Die Agora in Athen ist heute das Web 2.0. Frei nach der sokratischen Mäeutik hier also diese kleine Kolumne als Einführung ins philosophische Denken.

Wissen, Handeln und Hoffen
- warum Philosophie und warum hier?

Philosophie und Internet scheinen sich zu widersprechen, haftet doch ersterer bei flüchtigem Blick eine gewisse Schwere und Altertümlichkeit an. Kurzlebigkeit kann man den philosophischen Fragen kaum unterstellen (schließlich halten sie sich bereits seit über 2000 Jahren mit gewisser Hartnäckigkeit), sehr wohl aber dem Netz. Gleichzeitig begegnen sich beide in ihrer egalitären Fast-Voraussetzungslosigkeit – für erstere braucht man nur einen Kopf auf zwei Schultern und ein wenig Muße, für letzteres einen Computer mit Netzanschluß. Beides meistens wohl mehr oder weniger funktionierend vorhanden. Weiter erlaubt das Netz ein Zusammenkommen von Menschen und Ideen unterschiedlichster Art – ein Marktplatz des 21. Jahrhunderts, auf dem getratscht und gefeilscht wird, aber auf dem auch hier und da ein kritischer Gedanke auftaucht, eine Idee erwacht und eine Frage in den Raum gestellt wird, ein Gespräch beginnt. So sei auch das hier ein solcher Platz zwischen Obst- und Käsestand mit viel Platz zum Denken, an dem Zwischenrufe und Randbemerkungen durchaus willkommen sind.

Und so gehe es jetzt los:

Kant nennt vier Fragen, nach denen man die Philosophie einteilen könnte, und die das weite Feld von Möglichkeiten dieser Kolumne abstecken sollen:

  • Was kann ich wissen?
  • Was soll ich tun?
  • Was darf ich hoffen?
  • Was ist der Mensch?

An diesen Fragen ist die Natur der Philosophie bereits zu erkennen: Nicht selten ist die Frage von größerem Wert als die Antwort. Denn die Frage wirft Widerhaken in unseren Geist und läßt uns nicht mehr los, bringt uns einen Moment weg von Schreibtisch und Exceltabellen und Terminekneten und Glasperlenspielerei, hin zu einer Facette des Menschseins, dem Denken - denn eine Facette ist es durchaus, wenn auch vielleicht nicht die wesentliche, denn darüber läßt sich ja bekanntlich streiten, wie sapiens der homo ist, denn:

Was kann ich wissen? In dieser Frage geht es um unsere natürliche Beschränktheit, den Grenzen, die unserem Verstehen gesetzt sind, und wo diese liegen. Positiv ausgedrückt: Über was für Dinge kann ich zutreffende Aussagen machen? Über einen Tisch sicherlich - z.B. eine Aussage der Art wie “Mein Tisch ist aus Eichenholz.” - über einen Baum, auch wenns da schon wieder schwierig wird mit Gattung und Art, aber da hilft zur Not auch Buch und Internet. Aber die interessanten Aussagen, die wir so machen, betreffen keine sichtbaren Gegenstände, sondern abstrakte Dinge wie Finanzkrise (o je, ein Sammelsummarium von kaum faßbaren Umständen und Objekten, die in irgendwelchen Kausalzusammenhängen stehen), Wahlkampf oder Chancengleichheit oder Zufriedenheit, und da fragt man sich mit Recht und jetzt auch im philosophischen Sinne: woher wissen wir das eigentlich alles? Und wer es ganz schwierig möchte: Gott und das liebe Innenleben des Menschen, die Seele oder wie man das Wesen des Menschen nennen möchte. Angesichts solcher Themen schließt natürlich die nächste Frage an:

Was soll ich tun? Dies ist im moralischen Sinne zu verstehen: Welche Handlung ist in diesem Moment die moralisch richtige, gebotene? In “geboten” versteckt sich ein “Gebieter”. Gibt es denn so jemanden oder etwas, das uns eine bestimmte Handlung gebietet, uns selbstreferentiellen Monaden der Postmoderne? Über richtiges Handeln nachzudenken, ist aber sicherlich in unserer Welt nicht verkehrt, möchte man einem Kosten-Nutzen-Kalkül auf dem Gebiet der Moral etwas entgegensetzen. Auch wenn, dies sei zugegeben, es durchaus sehr ernsthafte moralische Positionen gibt, die die Kosten gegen den Nutzen aufwiegen, dann allerdings in einem differenzierteren Sinne als dem rein pekuniären verstanden. Stelle ich fest, dass noch viele weiße Flecken auf meiner Landkarte des Wissens bleiben, und dass ich andererseits in vielen Situationen trotz guten Willens Unglück und Elend nicht verhindern kann, bleibt die Frage:

Was darf ich hoffen? Und da kann man durchaus mit Recht an die Religion im weitesten Sinne denken, als die Instanz, die sich um die Bereiche jenseits von Vernunft und Praxis kümmert, und das ist nun so oder so zu verstehen. Dass wir von Natur aus der Religion und eines gewissen Trostes in Form eines ganzheitlichen Erklärungsmusters bedürfen, wird vielfach behauptet, und führt wiederum zu der letzten Frage:

Was ist der Mensch? Homo sapiens oder doch eher homo ludens, was Schillers Sicht des Menschen war, oder beschränkt sich das Einzigartige auf das erectus, also den aufrechten Gang. Von dem merkwürdigen Wort “Wesen” des Menschen - oder vom Wesen von was auch immer - war schon weiter oben die Rede, und selbstverständlich ist mit Recht zu fragen, was damit denn eigentlich gemeint ist. Auch dies ist eine Frage, mit der ich mich im allgemeineren Kontext noch beschäftigen möchte.

In diesem Sinne wird es nun weitergehen: Von der Metaphysik zur Ethik und wieder zurück, die Religion streifend, ein möglicher Abstecher zur Anthropologie. Zunächst bleibt ein Zitat, wie es aufklärerischer und auch philosophie-historischer nicht sein könnte:

Statt dessen, dass bis dahin andere für ihn dachten und er bloß nachahmte, oder am Gängelbande sich leiten ließ, wagt er es jetzt, mit eigenen Füßen auf den Boden der Erfahrung, wenngleich noch wackelnd, fortzuschreiten. und das ist natürlich Kant, bei dem wir sicherlich nicht bleiben werden, aber der hier als kanonischer Ausgangspunkt dienen sollte, um sich dann fern von allen Kanons zu halten, denen wir ab jetzt (s.o.) eben skeptisch gegenüber stehen werden, ohne die Größen dieser Disziplin in irgendeiner Weise zu mißachten. Aber Lesen ist nicht mit Verstehen identisch, und Kopieren schon gar nicht, was jedem Erstsemester der Geisteswissenschaften als erstes klar werden sollte. In dem Sinne.

Archiv (in Arbeit)

  • Beitrag vom 23.07.2009